Aktuelle ornithologische Beobachtungen aus dem Muotathal


14.10.2019

Dieser Herbst ist wirklich gut. Seit nunmehr 10 Tagen ziehen die Buchfinken in der Schweiz quasi nonstop in hohen Zahlen. Bis Samstag war ich nicht im Land und habe mit Tränen in den Augen die Zahlen auf den Schweizer Zugvogelpässen mitverfolgt.
Heute hatte ich dann endlich Zeit um auf der Sternenegg selbst einen Versuch zu wagen.

Ich hatte keine allzu grossen Erwartungen an den Tag, da nun schon seit einigen Tage Schönwetter herrscht und die Zugaktivität der Vögel nach einer mehrtägigen Schönwetterperiode oft abflaut. Es zogen aber bei wolkenlosem Himmel mindestens 10'500 Buchfinken, 1'200 Erlenzeisige, 170 Tannenmeisen, 130 Bachstelzen, 95 Misteldrosseln, 80 Heckenbraunellen, 70 Feldlerchen und diverse andere Singvögel vorbei. Highlights waren unter anderem ein durchziehender Mauerläufer sowie mehrere Heidelerchen.

 

Aufgrund von Gegenwind zogen die meisten Vögel sehr tief und so sassen wir manchmal mitten in den Vögeln :-)

Es sind aktuell noch sehr viele Schwalben unterwegs, mindestens 450 Rauch- und Mehlschwalben jagten im Gebiet.

Ein Anblick, den ich mir eigentlich von Mitte September gewohnt bin und nicht von Mitte Oktober!

Für mich sind solche Zugtage im Herbst etwas vom Eindrücklichsten überhaupt. Egal wo man hinschaut, überall sind Trupps von fliegenden Kleinvögeln zu sehen, die zielstrebig in Richtung Südwesten ziehen. Man kann sich nur ausmalen, wie viele Vögel an einem einzigen Tag über die ganze Schweiz ziehen. Es war wieder mal ein toller Tag voller Herbstzug in den Alpen!

Heckenbraunelle
Heckenbraunelle

13.10.2019

Im Herbst kann es sich lohnen, mit dem Spektiv die Mondscheibe anzuschauen. Habe mich vorhin auf den Balkon gewagt und in einer Viertelstunde zogen ganze 34 Kleinvögel vor der Mondscheibe durch. Dabei wird es sich um Nachtzieher wie Rotkehlchen, Singdrosseln, Rotschwänze oder Zilpzalpe handeln.

 

Richtig blöd geschaut habe ich dann allerdings, als plötzlich eine Waldohreule / Sumpfohreule die Mondscheibe querte.

Das war wieder mal einer dieser Momente, in denen man einfach nur noch perplex dort steht und ein breites Grinsen auf dem Gesicht hat. Ich will mir gar nicht vorstellen, was das für ein Bild gegeben hätte.


21.09.2019

Heute begleiteten wir als "Lokalmatadoren" die Zugvogel-Exkursion des Feldornithologenkurses von BirdLife Luzern auf der Ibergeregg. Leider zogen bis auf einen sehr überraschenden Rotkehlpieper, einige Tannenmeisen und Schwalben fast keine Vögel durch. Dafür boten mindestens fünf Steinadler eine tolle Flugshow.

Steinadler vor der Kulisse einer Hochzeits-Zeremonie bei der Kapelle Hirsch in Unteriberg
Steinadler vor der Kulisse einer Hochzeits-Zeremonie bei der Kapelle Hirsch in Unteriberg
Luftkämpfe
Luftkämpfe
im Anflug
im Anflug

Von der Eichelhäher-Invasion in manchen Teilen der Schweiz merkt man hier nur wenig. Am Bodensee wurden heute innerhalb von vier Stunden 650 durchziehende Eichelhäher gezählt. Über der Ibergeregg konnten wir jedoch nur vier Stück sehen.


08.09.2019

Schlechtwetter und die relativ tiefe Schneefallgrenze haben einige Singvögel zur Rast auf dem Talboden gezwungen. Es sind die klassischen September-Singvögel wie Trauerschnäpper, Klappergrasmücke, Steinschmätzer und Baumpieper, die sich aktuell mit etwas Glück finden lassen. Heute liess sich auch eine Schafstelze beobachten. Aber für die Tatsache, dass es die letzten 3 Nächte eigentlich ständig regnete, hat es vergleichsweise wenig rastende Vögel. Ich hätte da mehr erwartet.

 

Was aber überraschend ist: Mehrere Tannenhäher halten sich aktuell in der Nähe vom Dorf auf. Auch etwas Neues.

Steinschmätzer
Steinschmätzer
Baumpieper
Baumpieper
Hausrotschwanz
Hausrotschwanz

03.09.2019

Der Greifvogelzug über den Alpen wird zwar erst in zwei Wochen seinen Höhepunkt erreichen, wir haben uns heute aber dennoch auf die Ibergeregg gewagt und den Himmel abgesucht. Neben einigen Hundert Schwalben zogen tatsächlich die ersten Greifer in Richtung Süd / West: Vier Rohrweihen, zwei Sperber, ein Baumfalke und als grosses Highlight eine Wiesenweihe. Meine letzte Beobachtung dieser Art in der Region ist fünf Jahre her. Eine schöne Überraschung.

Wiesenweihe
Wiesenweihe
sehr helles Rohrweihen-Männchen
sehr helles Rohrweihen-Männchen

23.08.2019

Die Regenfälle zu Beginn der Woche haben einige durchziehende Kleinvögel zur Rast gezwungen. Auch heute Freitag liessen sich noch diverse Kleinvögel wie Grau- und Trauerschnäpper, Gartenrotschwänze, Laubsänger und eine Klappergrasmücke beobachten. Dazu sind hoch oben unter der Nebeldecke grosse Trupps von Mehlschwalben zu sehen, die eigentlich gerne weiterziehen möchten aber wegen der Nebelsuppe nicht wegkommen.

 

Der Zughöhepunkt dieser insektenfressenden Arten wird aber erst übernächste Woche erreicht sein. 

Wenn es dann Regenfälle gibt, kracht es so richtig. Man darf also gespannt sein!


06.08.2019

Zeit, mal wieder etwas Farbe ins Spiel zu bringen. Vögel waren leider keine da.

Grosses Ochsenauge
Grosses Ochsenauge

01.08.2019

Heute gab es hoch über dem Tal endlich wieder mal einen Wespenbussard zu sehen. Dazu immer wieder Turmfalken, Sperber und viele Mäusebussarde. Ein Zugtrupp von 50 Mauerseglern drehte hoch oben auch noch seine Runden, die hiesigen sind nun schon grösstenteils weggezogen.


29.07.2019

Die Hitzewelle ist vorbei und somit habe ich mich wieder mal herausgetraut. Die Vögel sich anscheinend auch.

Man sieht wirklich viele Vogelfamilien am Waldrand. Meisen, Buchfinken, Rotschwänze, Grauschnäpper, Misteldrosseln ... besonders gefreut habe ich mich über einen rastenden Trauerschnäpper. Ein schönes Zeichen, dass der Herbstzug der Vögel bereits wieder begonnen hat. Wer gut hinhört, kann nachts auch Waldkäuze aus dem Wald singen hören.


24.07.2019

Endlich passiert mal etwas Spannendes in diesem Sommerloch! Heute wurde auf der Alp Tor ein Schlangenadler gesichtet und fotografiert. Es ist gut möglich, dass sich der Vogel auch in den nächsten Tagen noch im Gebiet aufhalten wird. 


21.07.2019

Weiterhin lohnt es sich, den Himmel nach Gänsegeiern abzusuchen. Zudem kann man in diesen Tagen die Mauersegler noch einmal richtig geniessen, denn bald werden sich diese bereits wieder auf den Weg in Richtung Süden machen.  Ich persönlich habe noch nie eine so gute Mauersegler-Saison wie 2019 erlebt. Ende Juni zählte ich über dem Dorf 55 Stück in einem Trupp und auch in den anderen Regionen der Schweiz ist die Art heuer auffallend stark vertreten.

Dafür lassen sich die Schwalben etwas weniger bemerken.